|
|
Von Arnheim nach Kursk - oder: Kein Siegplan
1. Filmkritik Einer der US-weit bekanntesten Filmkritiker war Roger Ebert, bis zu seinem Tod im Jahr 2013 langjährig für die Chicago Sun-Times tätig. Kürzlich bin ich auf die Webseite rogerebert.com gestossen, wo man noch heute alle (oder fast alle?) seiner Filmkritiken nachlesen kann. Bislang habe ich schon einige Dutzend Kritiken von ihm gelesen, meist von Filmen, die auch ich schon einmal gesehen hatte. Überraschenderweise erweist sich sein Urteil über diese Filme als weitgehend übereinstimmend mit meinem eigenen Urteil, oft genug bis in Details von Besetzung oder Fotografie oder als Höhepunkte wahrgenommener Szenen. Mr. Ebert würde es mir hoffentlich nicht nachtragen, wenn ich ihn als "geistigen Bruder" im cineastischen Sinne bezeichnen würde. Umso betrüblicher, wenn die Urteile ausnahmsweise einmal deutlich divergieren. Das ist bei diesem US-Film aus dem Jahr 1977 aber der Fall:
2. "Die Brücke von Arnheim" Mr. Ebert war zwar so gnädig, dem Film noch zwei von vier möglichen "Sternen" zu verleihen, aber die Kritik liest sich eher wie ein Total-Verriss. Die 26 Millionen US-Dollar, die der Produzent Joseph E. Levine dafür ausgegeben haben soll, seien pure Verschwendung gewesen. Es sei eine "mindless series of routine scenes" ("gedankenlose Aneinanderreihung von Routine-Szenen") und "boringly violent" ("ermüdend gewalttätig"). Mithin "... the longest B-grade war movie ever made" ("der längste je gemachte B-Klasse-Kriegsfilm"). Nanu - habe ich damals (vermutlich in den 1990er Jahren im TV) oder jetzt (von Videokonserve) einen ganz anderen Film gesehen als Mr. Ebert? Mein Eindruck war wesentlich positiver. Zwar hätte auch ich keine vier Sterne verteilt, und mit der Meinung Eberts, dass der damals junge und allzu kantenlose Ryan O'Neal eine eklatante Fehlbesetzung sei, gehe ich dann wieder konform. Was mich für den Film eingenommen hat, war unter anderem die Eingangssequenz, in welcher Liv Ullmann (bzw. ihre deutsche Synchronsprecherin Heidi Treutler) Archivaufnahmen aus dem wirklichen Zweiten Weltkrieg aus dem Off kommentiert. Man sieht Bomberangriffe, einstürzende Häuser, Maschinengewehrsalven und sonstiges Kriegsgeschehen, begleitet von den entsprechenden Geräuschen, und Frau Ullmann (bzw. ihre prägnante Synchronstimme) erinnern in einem trockenen Ton daran, dass all' dies ja heute (also 1977) noch garnicht so lange her sei. Und sie leitet dann über zum eigentlichen Thema des Films, der sogenannten Operation "Market Garden" vom Spätsommer 1944, die - wie Ullmann/Treutler betonen - wieder einmal die Aussicht versprach, "die Jungs" (die alliierten Soldaten) "noch vor Weihnachten" nach Hause zu bringen. Natürlich - der Film war auch ein "Starvehikel". Neben Liv Ullmann gaben sich noch allerhand Weltstars die (Atelier-)Klinke in die Hand: Laurence Olivier, Michael Caine, Dirk Bogarde, Edward Fox, Sean Connery, der schon erwähnte Ryan O'Neal, Gene Hackman, Robert Redford, Anthony Hopkins, James Caan. Mindestens dem deutsche Publikum bekannt waren auch Hardy Krüger, Maximilian Schell oder Wolfgang Preiss und Walter Kohut. M.E. liefern diese Schauspieler auch mindestens eine routinierte Darstellung der jeweiligen Charaktere.
3. Total defeat Vielleicht ist der Schlüssel zu der so unterschiedlichen Rezeption ein Satz, den Roger Ebert etwas später in seiner Kritik aufführt: "...but why make a movie about total defeat and stupidity?" - also "warum überhaupt einen Film über totale Niederlage und Dummheit machen?" Richtig - im Urteil der Militärhistoriker gilt "Market Garden" als Misserfolg, denn der - wie man heute zu sagen pflegt - "ambitionierte" Plan sah vor, innerhalb weniger Tage von Nordfrankreich bzw. Belgien aus kommend alle Brücken bis Arnheim mit Hilfe von Fallschirmlandetruppen zu erobern, mit Landtruppen nachzusetzen und damit Arnheim als Brückenkopf für einen Einmarsch in das damals für die deutsche Rüstung extrem wichtige Ruhrgebiet zu nutzen. Und eben jene letzte Brücke in Arnheim konnte damals nicht erobert werden, der Plan hatte also sein Hauptziel verfehlt. Aber Mr. Ebert tut m.E. mit dem Wort "totale Niederlage" sowohl den damals agierenden Militärs als auch dem Film unrecht. Zum einen war es eben keine "totale Niederlage", auch wenn man der im Film zitierten Einschätzung des britischen Feldmarschalls Montgomery ("zu 80 Prozent ein Erfolg") nicht beipflichten mag. Zum anderen erscheint mir gerade die Schilderung einer sich anbahnenden Niederlage sehr wohl der filmischen Beschreibung wert. Denn im Film werden wieder und wieder Schwachpunkte des Planes angesprochen, auf ganz verschiedenen Ebenen. Und am Ende räsonieren die Generäle darüber, was wohl zum Scheitern führte: War es das schlechte Wetter in England, mangelhafte Funkgeräte, die den Vormarsch behindernden Menschenmassen in den unterwegs befreiten holländischen Städten, die falsche Bewertung der gegnerischen Truppenstärken *1 etc.? Oder war es einfach, wie es auch der Original-Filmtitel verhiess, "A Bridge Too Far" ? "Market Garden" zählt also auch zu den zahlreichen militärischen Plänen, die in der Realität scheiterten, so wie der deutsche Schlieffen-Plan oder die alliierte Gallipoli-Kampagne im Ersten Weltkrieg. Andererseits gibt es aber auch durchaus Pläne, die erfolgreich umgesetzt werden konnten - man denke an Mansteins Frankreich-Feldzug 1940 oder die alliierte Invasion in der Normandie 1944. Alle offensiven Pläne sind aber der Natur nach "Siegpläne", bei denen die Planer davon ausgehen, dass das gesetzte Ziel durchaus erreicht werden kann, mithin ein wenigstens operativer Sieg errungen werden kann. Wenn sich schon in der Vorplanungsphase herausstellen sollte, dass das oder die Ziele so garnicht erreicht werden können, dann werden solche Pläne normalerweise zugunsten anderer verworfen. Oder man bleibt eben, wenigstens vorläufig, in der Defensive.
4. Moderne Kriege? Die aktuell am meisten beunruhigenden Kriege in diesem 21. Jahrhundert, also in der Ukraine und um Iran, unterscheiden sich natürlich vielfältig von den Kriegen eines Clausewitz oder Montgomery, wenngleich sich am organisierten Töten leider nichts geändert hat. Und auf der offensiv agierenden Seite sollte es noch immer "Siegpläne" geben. Für diejenigen Mitmenschen, die sich ausschliesslich aus Tagesschau & Co. informieren, scheint die Ausgangslage im Ukrainekonflikt "klar wie Klossbrühe": Wann immer es um diesen Konflikt geht, wird vom "russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine" gesprochen, der im Februar 2022 begonnen habe. Wer aber zum Beispiel das Buch von Jacques Baud zum Thema *2 gelesen hat, versteht, dass die russische Seite eine ganz andere Ansicht dazu hat, ja sogar ganz andere Daten für entscheidend hält - z.B. 2014 als das Jahr des "Maidan"-Putsches in Kiew. Eigentlich hätte man den ab 2014 in der Ukraine zunächst als Bürgerkrieg ausbrechenden Konflikt seitens der NATO-Länder ebenso distanziert betrachten können wie die Konflikte in beispielsweise Nagorno-Karabach, Kaschmir oder Ost-Timor. Schliesslich war die Ukraine weder NATO- noch EU-Mitglied, auch von bilateralen Beistandsverpflichtungen zu "westlichen" Ländern ist nichts bekannt. Als sich aber Ende Februar 2022 Russland entschloss, militärisch einzugreifen, legte man sich seitens der NATO sofort fest. Die Formulierung, die der damalige Kanzler Scholz im Mai 2022 in einer Bundestagsrede wählte, darf als stellvertretend für seine EU- bzw. NATO-Amtskollegen genommen werden: "Russland darf diesen Krieg nicht gewinnen, die Ukraine muss bestehen." Wenn also Russland "nicht gewinnen" durfte, musste man wohl der Ukraine zum Sieg verhelfen. An der Stelle wäre wohl das Vorhandensein eines Siegplanes seitens der sich so plötzlich zu Beschützern der Ukraine erklärenden NATO-Staaten hilfreich gewesen...
5. Strategie und Taktik Auf sozusagen "strategischer Ebene" gab es damals tatsächlich eine Art "Siegplan" des NATO-EU-Blocks. Der hatte aber nicht irgendwelche Wunderwaffen im Blick, sondern setzte auf wirtschaftliche Strangulierung des "Feindlandes" Russland. Nachdem diese wohlvorbereiteten "Sanktionen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat" (Scholz), seitens der EU beschlossen und in Kraft gesetzt wurden, jubilierte die damalige Aussenministerin Baerbock "das wird sie ruinieren". In den mir zugänglichen Mainstreammedien fragte allerdings diesbezüglich niemand, seit wann es Ziel deutscher Aussenpolitik sein sollte, einen Staat - irgendeinen Staat! - zu ruinieren. Dieser Plan setzte also auf die Dominanz der "westlichen" Staaten im System der Weltwirtschaft. Durch das Abkoppeln Russlands vom SWIFT-System, durch mannigfache Handelsverbote sollten die Erträge der russischen Volkswirtschaft minimiert werden. Die einsetzende Verelendung der russischen Bevölkerung sollte zu einem "regime change" führen. In der Theorie bestechend, aber in der Praxis nicht nur hochgradig selbstschädigend (zumindest für die EU-Staaten), sondern letztlich an der höheren Autarkiefähigkeit Russlands scheiternd *3. In unerwarteter Weitsicht erklärte der damalige EU-Aussenbeauftragte Josep Borrel, weder davor noch danach jemals als Militärexperte aufgefallen, schon im April 2022 "This war will be won on the battlefield" *4. Jedenfalls verlagerten sich die Hoffnungen der NATO- und EU-Führungen in der Folgezeit doch mehr auf militärische Mittel. Konnte man der Ukraine nicht, wenn man die schon seit 1991 konsequent vergrösserte Armee nunmehr mit Unmengen westlicher Militärtechnik ausstattete, doch noch zu militärischen Triumphen verhelfen? Damit sind wir auf der Ebene taktischer Operationen, wie schon "Market Garden" eine war. Auch ohne intime Kenntnis ukrainischer Militärpläne lassen sich mindestens vier offensive Operationen seitens der Kiewer Führung beschreiben: Die sogenannte Gegenoffensive im Sommer 2023 (A), der Vorstoss in den russischen Oblast Kursk 2024 (B), die sogenannte Operation "Spiderweb" im Juni 2025 (C) und schliesslich die aktuelle als "Long range sanctions" deklarierte Drohnenkampagne gegen Ziele "tief im russischen Hinterland" (D). Als klar offensive Aktionen würde man davon ausgehen, dass alle diese Aktionen einen mindestens taktischen Sieg herbeiführen sollten, also "Siegpläne" vorhanden waren. Bei Plan A, der Gegenoffensive von 2023, mag das auch noch so gewesen sein: Zumindest nicht undenkbar, dass die ukrainische Armee die russische aus den "besetzten" Gebieten hätte vertreiben können. Aber an der natürlichen Grenze des Dnepr sowie den schon lange etablierten Fronten im Donbass lief sich die gross angekündigte Offensive fest. Immerhin gelang bei Kherson und anderen kleineren Gebieten die Rückoberung oder "Befreiung" ja tatsächlich. Wenn aber die Rückeroberung der Krim Teil des "Siegplanes" gewesen wäre, hätte nicht nur der deutsche Admiral Schönbach dies als von vornherein illusorisches Unterfangen bezeichnet. Zu Plan B, dem Einfall in die russische Region Kursk, fällt es schon schwierig, irgendeine Siegoption ausmachen zu wollen. Medial verkauft wurde die Sache als Schachzug, um mit dem eroberten Gebiet ein "Pfand" in künftigen Verhandlungen zu erhalten. Nur ist es offensichtlich für Verhandlungen nicht dienlich, wenn man in bislang vom Krieg verschonte Gebiete einmarschiert, auf die man weder einen historischen, juristischen oder ethnischen Anspruch geltend machen kann. Zu erwarten ist, dass der Gegner bei dieser Sachlage noch weit weniger zu Verhandlungen bereit sein wird, sondern im Gegenteil - wie dann auch geschehen - sein historisch eigenes Gebiet zurückerobern wird. Plan C wiederum wurde maximal medial ausgeschlachtet: Ein Angriff auf die Stützpunkte der russischen Atombomberflotte mittels mit Angriffsdrohnen gefüllter Seecontainer, die als ziviles Lkw-Transportgut aufgegeben worden waren und in der Nähe der Flughäfen schliesslich die Drohnen freisetzten. Diese "Spiderweb"-Operation kann man durchaus als ingeniöses Geheimdienstprojekt bezeichnen. Unklar ist aber, wieviel Hilfe der ukrainische SBU dabei von seinen westlichen "Kollegen" (CIA, MI6) erhalten hatte. Die generierten Bilder von (teilweise) in Brand gesetzten Tupolev-95-Atombombern jedenfalls waren spektakulär. Nur: Welche Art von "Sieg" wollte man damit erreichen? Die be- bzw. getroffenen Tu-95 waren für das Kampfgeschehen in der Ukraine selbst offensichtlich unwesentlich. Im Gegenteil, die Atommacht Russland hätte diesen Angriff auf einen Teil ihrer "Nuklearen Triade" *5 durchaus als Rechtfertigung für einen nuklearen Gegenschlag heranziehen können. Ein Hochrisikospiel, nur um ein paar "schönen" Bildern wegen? Damit sind wir bei der aktuellen Kampagne "D", die Angriffe mit Langstreckendrohnen *6 auf Tanklager, Raffinerien und auf Warenhäuser des "Wildberries"-Konzerns. Wie schon ihre Kollegen im zweiten Weltkrieg, "Bomber"-Harris und "B29"-LeMay, haben die Planer dieser Angriffe erkannt, dass die Zerstörungskraft einer Bombe multipliziert werden kann, wenn das getroffene Objekt selbst brennbare Stoffe enthält. Und wieder werden beeindruckende Bilder generiert! Für die Russen besonders deprimierend, wenn die Rauchsäulen der getroffenen Tanklager *7 auch vom Tagungsort des "St.Petersburg International Economic Forum" (SPIEF) aus sichtbar sind. Aber wie sollen diese Nadelstiche die weitgestreckte russische Wirtschaft oder gar die russische "Militärmaschinerie" ausschalten? Auch dies ist definitiv kein "Siegplan", sondern eher eine Medienkampagne, die sich einerseits an die Bevölkerung in der Rest-Ukraine, andererseits an das Publikum in den westlichen Sponsorenländern richtet und weiterhin "Kampffähigkeit" signalisieren soll. Festzustellen ist also, dass es schon seit mindestens 2024 keine Siegpläne des "Wertewestens" mehr gibt, weder auf der taktischen noch auf der strategischen Ebene. Allerdings war ja schon die Ausgangsposition höchst fragwürdig: Wie wollte man mit "konventionellen" Waffen überhaupt eine Nuklearmacht "besiegen"? Wieso also kämpft "die Ukraine" so verbissen weiter, wieso wird sie von ihren angeblichen Verbündeten so beharrlich weiter in den Kampf getrieben? Sind nicht umgekehrt nur ernsthafte Verhandlungen das letzte Mittel, die Rest-Ukraine als irgendwie lebensfähigen Staat zu erhalten?
6. Belgrader Offenbarung Einen Schlüssel zur andauernden Kriegswilligkeit Kiews bzw. seiner westlichen Unterstützer hat nun ausgerechnet ein Journalist der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) anlässlich einer Pressekonferenz am 8. August in Belgrad geliefert. Dieser Michael Martens fragte den dort zu Besuch weilenden Herrn Selensky: "Können Sie uns Europäern konkret sagen, was wir tun können, um ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? Mehr russische Soldaten, natürlich." In den Online-Medien sorgte diese verstörende Aussage für einiges Aufsehen, worauf sich Herr Martens unter anderem auf der Plattform "X" zu rechtfertigen suchte. Dabei liess er sogar die Einschränkung "mehr russische Soldaten" weg, sprach nur noch von "Russen" und gab sich als Realist, der im Gegensatz zu seinen Kritikern eben einfach Bescheid wisse, wie es in so einem Krieg zugehe. Man müsse halt soviele Menschen des Gegners umbringen, bis dieser seinen Kampfwillen verliere. Tatsächlich hätte Herr Martens sogar auf Äusserungen eines recht berühmten Generals des zweiten Weltkriegs verweisen können. Der spätere Kommandeur des "SAC" *8 Curtis LeMay sagte einst: "If you kill enough of them, they stop fighting." Als für die Einäscherung hunderttausender Japaner in Tokyo, Hiroshima und Nagasaki wesentlich Mitverantwortlicher kann man sagen, dass LeMay seiner Maxime durchaus gefolgt ist. Allerdings hätte Martens aus unserer deutschen Geschichte lernen können, dass die Formel "bringe mehr Leute des Gegners um, als dieser von deinen Leuten umbringen kann" durchaus nicht zum Sieg führen muss. Schliesslich war doch die deutsche Wehrmacht samt Einsatzgruppen im Abschlachten von Sowjetbürgern (über 23 Millionen) weit erfolgreicher gewesen als die Gegenseite. Alle allierten Mächte (GB, F, USA und UdSSR) zusammen haben dagegen "nur" an die 8 Millionen Deutsche umbringen können. Würde Herrn Martens These stimmen, so hätte im Mai 1945 das Hakenkreuzbanner über dem Kreml wehen müssen - bekanntlich kam es anders. Und wäre Herr Martens wirklich "investigativ" veranlagt, hätte er auch einmal auf den "Allied Bombing Survey" blicken können. Unmittelbar nach Kriegsende verfasst, stellte er nüchtern fest, dass die spät im Kriegsverlauf einsetzenden Bombardierungen aller deutschen Verkehrswege wesentlich mehr zur Minderung der Kampfkraft der deutschen Armee beigetragen hatten als die Flächenbombardements deutscher Städte. Am Rande sei noch bemerkt, dass die Aussage des FAZ-Redakteurs auch eindeutig rassistisch ist, wenngleich dies vielen Deutschen nach der jahrelangen Anti-Russland-Propaganda schon nicht mehr auffallen mag. Man stelle sich einmal vor, Herr Martens hätte einst US-Präsident Nixon gefragt: "Wie können wir Ihnen helfen, mehr Vietnamesen zu töten?"
7. Ein neues Kriegsziel Die Aussage des FAZ-Redakteurs hat viele Deutsche schockiert, zumindest jene, deren Hirne noch nicht durch die permanente Kriegspropaganda vernagelt sind. Wahrscheinlich wäre auch der berühmteste deutsche Kriegstheoretiker, Carl von Clausewitz, schockiert gewesen, obwohl er natürlich in seiner Karriere genügend Metzelei, genügend Tote gesehen haben dürfte. Nach Clausewitz ist es das Ziel des Krieges, dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen - als "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Offensichtlich ist es aber der Macht des versammelten "Westens" bislang nicht gelungen, der Russischen Föderation den eigenen Willen aufzuzwingen - zumindest wie er anfangs 2022 formuliert wurde: "Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine in den Grenzen von 1991" - oder waren die wirklichen Kriegsziele ganz andere? Wir haben gesehen, dass spätestens seit 2024 westlicherseits *9 keine "Siegpläne" mehr erkennbar sind. Vielleicht müssen wir aber dem Herrn Martens dankbar sein, weil er uns da ein neues Kriegsziel offenbart hat: So viele Russen wie möglich töten. Ein "Siegplan" ist das vermutlich ebensowenig wie die die Kursker Invasion. Aber möglicherweise über den Krieg in der Ukraine hinausweisend. Für kenntnisreiche Beobachter des politisch-ökonomischen Geschehens ist schon seit einigen Jahren klar, dass die westlich dominierte Machtpyramide in Auflösung begriffen ist. Deren Führungsmacht USA ist am Ende ihrer hegemonialen Vorherrschaft angekommen, eine multipolare Welt dämmert. Eine Aussicht, die nicht nur der US-Regierung, sondern auch den eisern "transatlantisch" ausgerichteten Jüngern in den EU-Regierungen und eben auch in Medien wie der FAZ nicht behagen kann. Und da man die alte Dominanz verloren hat, aber immer noch über beträchtliche (und vielleicht ausbaufähige) militärische Mittel verfügt, scheint die neue Losung zu sein, allen aufstrebenden Mächten eben diesen Aufstieg gewaltsam zu vereiteln - eine rein destruktive Methodik. Dann machen die wirtschaftlichen Sanktionen, mittlerweile auf quasi die Hälfte aller Länder ausgedehnt, ebenso Sinn wie blutige Abnutzungskriege, die nie zu einer militärischen Entscheidung im Sinne Clausewitz' führen. Der Weg ist zum Ziel geworden, es wird wieder "Blutpumpen" das Wort geredet - wie sie einst im Ersten Weltkrieg der deutsche Generalstabschef von Falkenhayn propagierte. Derweil sichern die ewigen Bombenkampagnen und die eigentümlich ziellosen Aufrüstungsorgien nicht nur steigende Profite der Rüstungskonzerne, sondern auch das Auskommen der direkt oder indirekt korrumpierten Politiker. Heutzutage scheint der alte Werbespruch der FAZ ("Dahinter steckt immer ein kluger Kopf") jedenfalls nicht mehr generell zuzutreffen. Denn es könnte ja sein, dass die Parole von Herrn Martens ("mehr Russen töten") nun ihrerseits von "den Russen" aufgegriffen wird. Wenn "die Russen" oder "der Putin" wirklich so skrupellos wären, wie sie von FAZ & Konsorten nun schon jahrelang dargestellt werden - was sollte sie daran hindern, die Parole "so viele Deutsche töten wie möglich" auszugeben? Und die Mittel, dies zu tun, haben sie reichlich. Aus Berlin ein "Hiroshima", aus München ein "Nagasaki" zu machen, wäre angesichts des Nuklearpotentials der Russischen Föderation ein Leichtes. Ist es das, was Herr Martens will? Zum Schluss sei den deutschen Kriegstreibern noch ein anderer Satz von General LeMay zum Überdenken auf den Weg gegeben: "If we'd lost the war, we'd all have been prosecuted as war criminals." *10
(14.08.2026) |
|
|
*1 Schlechtes Wetter in England behinderte bzw. verzögerte den Start der Transportflugzeuge, die den zunächst isoliert stehenden Fallschirmlandetruppen Verpflegung und Munition hätten zukommen lassen sollen. Die verwendeten Funkgeräte erwiesen sich als von zu geringer Reichweite, um die Kommunikation der verschiedenen Truppenteile zu garantieren. In den "unterwegs" befreiten holländischen Städten behinderten jubelnde Menschenmassen oft das Vorankommen der nachrückenden alliierten Landtruppen. Schliesslich war die kurz zuvor erfolgte Verlegung eines deutschen SS-Panzerkorps in die Gegend von Arnheim zu spät erkannt worden. *2 Jacques Baud: "Putin - Herr des Geschehens?" ISBN 978-3-86489-426-8 *3 Wobei hier "Autarkie" nicht im strengen Sinne gemeint ist. Aber Russland konnte sich weit schneller und weit umfassender von "westlichen" Importen, aber auch Absatzmärkten unabhängig machen, als viele - auch in Russland! - geglaubt hatten. *4 "Dieser Krieg wird auf dem Schlachtfeld entschieden werden" *5 Als "Nukleare Triade" bezeichnet man die von den grossen Nuklearmächten vorgenommene Aufspaltung des Nuklearpotentials auf drei separate Waffengattungen, also Luftwaffe (Bomber wie B-52 oder Tu-95), landgestützte Interkontinentalraketen und U-Boot-Raketensysteme. Ein erfolgreicher Angriff auf einen Teilbereich würde die Zweitschlagsfähigkeit reduzieren. *6 Ob hier wirklich "Langstreckendrohnen" von ukrainischem Territorium aus gestartet wurden, oder von vorgeschobenen Startplätzen z.B. in den baltischen Staaten, wird durchaus diskutiert. Militärtechnisch würde es jedenfalls Sinn machen, denn eine kürzere zurückzulegende Flugstrecke bedeutet, dass man anstelle von Treibstoff mehr Explosivstoff laden kann. Auch ist fraglich, ob da wirklich nur ukrainische Operateure involviert sind. Unbestritten ist, dass vom Westen umfangreich Zieldaten bereitgestellt werden (da die Ukraine z.B. über keine eigenen Spionagesatelliten verfügt). *7 Interessanterweise bekümmern diese Rauchsäulen, die ja die Freisetzung von Unmengen CO2 und Luftschadstoffen signalisieren, unsere deutschen "Grünen" kein bisschen. Müssten nicht schon allein aus Umweltschutzgründen diese Kriege gestoppt werden? *8 SAC = Strategic Air Command, die Einheit der US-Airforce, der lange Jahre die Bomber mit Atombomben unterstanden. *9 Was 2014 noch opak gewesen sein mag, ist mittlerweile überdeutlich klargeworden: Die nicht nur militärisch, sondern auch finanziell vollkommen von den westlichen Sponsoren (insbesondere USA, GB, F, D) abhängige Ukraine trifft strategische Entscheidungen nicht selber. Die grobe Strategie war schon vor 2014 von Think-Tanks wie der RAND-Corporation vorgedacht worden. Ob nun konkrete Pläne wie "Spiderweb" eher von der CIA oder vom MI6 "ausgekocht" wurden, ist vergleichsweise unerheblich. *10 "Wenn wir den Krieg verloren hätten, wären wir alle als Kriegsverbrecher angeklagt worden." |
|
|